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Weise verrückt





Stell dir vor, du hättest eine Diagnose genannt Schizophrenie oder eine Psychose oder eine Depression oder eine Persönlichkeitsstörung…was würde dies für dich hier in unserer westlichen Welt bedeuten? Bestimmt nichts Gutes. Das steht schon mal fest. Wer möchte schon mit verrückten Menschen zu tun haben? Wer möchte sich mit Suizidalität, schrägen Aussagen wie: « Ich bin Jesus» oder sich mit Menschen unterhalten, die mit Geistern, Toten und Ahnen sprechen und auch noch davon reden. Wer möchte schon mit Obdachlosen Freundschaften schliessen? Wer möchte Drogenabhängigen Verständnis und Mitgefühl entgegenbringen? Wer möchte schon einen schizophrenen Nachbarn bei sich zu Hause zum Essen einladen oder ihm das Gästebett anbieten?

 

Was hindert uns daran? Wir leben eine gewisse Gesellschaftsnorm, die uns vorgibt, wie wir zu sein und zu leben haben als Menschen. Wir definieren im Grossen und Ganzen, sprich die Medizin mit ihren Diagnosestellungen, was normal ist und was «unnormal» und zu therapieren ist. Meistens führen solche Therapien, seien sie medikamentös oder in Form von Gesprächstherapien, zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes. All die Medikamente unterdrücken die Symptome, lösen jedoch kein Problem, sondern produzieren durch ihre Nebenwirkungen noch mehr Probleme und Symptome. Wir orientieren uns daran, was uns vorgegeben wird ohne kritisches Hinterfragen.

Wir sind mit solchen Menschen schlichtweg überfordert, weil wir nicht wissen, wie wir mit ihnen umzugehen haben. Wir haben Angst, dass uns etwas angetan wird. Wir fühlen uns von solchen Menschen «bedroht». Deshalb gibt es Institutionen wie die Psychiatrien. Hier kann man mit Zwangsmedikation, Isolations- und Angurt Massnahmen an Betten dem Ganzen Spuk des Gehirns im kranken Menschen entgegenwirken.

 

Wie geht die östliche Welt mit solchen Menschen um? Können wir davon lernen? Können wir uns anderen Lebensformen und Umgangsformen öffnen? Haben wir die Weisheit zu erkennen, dass es weit mehr gibt für unsere Gesundheit als nur medikamentöse Therapien? Was hält uns gesund? Kann ein soziales Engagement zu einer gesunden Gesellschaft beitragen? Kann ich als Individuum einen Beitrag dazu leisten, dass ich mein Denken und Handeln auch mal hinterfrage? Ist es mir möglich, mich als Teil der Gesellschaft zu erkennen, die dieses ganze System aufrecht hält? Oder bin ich diejenige, die eine Veränderung von den Politikern verlangt, von der Gesellschaft und vom Gegenüber? Macht es nicht Sinn, mich als erstes zu hinterfragen? Macht es nicht Sinn, erst meine Verrücktheit in dem Ganzen zu erkennen als «normaler» Mensch? Was trage ich tagtäglich dazu bei, dass Menschen leiden müssen? Wann habe ich mich das letzte Mal um meine Nachbarin gekümmert? Sie gefragt, ob sie was braucht? Wann habe ich das letzte Mal mein Ego auf dem Parkplatz geparkt und bin zu Fuss weiter?

 

Wie sieht unsere westliche Spiritualität aus? Gibt es sie? Wenn ja in welcher Form? Leben wir in unserer westlichen Gesellschaft eine Spiritualität der Liebe und des Friedens? Kann westliche Spiritualität Menschen unterstützen, sich angenommen und anerkannt zu fühlen?

Sind wir in der Lage, in einer Schizophrenie, Depression, Psychose auch etwas Gutes zu sehen und liebevoll mit solchen Menschen umgehen zu können als sie zu verurteilen und als krank abzustempeln? Sind wir dies als Gesellschaft fähig?



Autorin Tanja Eberle



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